Der letzte Eisenhammer im Spessart (Info)

( Lebendige Vergangenheit zwischen Esse und Wasserrad )


Eisenhammer Wenn man vom Dorf Hasloch aus in den Spessart wandert, dann hört man schon bald das Klopfen des Eisenhammers.  Es ist der letzte Eisenhammer im Spessart, der auch heute noch mit seiner Einrichtung aus der Gründungszeit im Jahre 1779 als »Wasserkraftwerk«,  betrieben wird.   Dieses Hammerwerk ist der Ursprung des Eisenwerkes Kurtz in Hasloch am Main.  Seine Entstehung verdankt es der waldreichen Gegend und der Wasserkraft aus dem Haselbach, der im Spessart unterhalb von Rohrbrunn entspringt.   Dieses Gebiet gehörte früher den Kurfürsten von Mainz, die in den entlegenen Waldgebieten von Spessart und Odenwald Industrie ansiedeln wollten.  Es entstanden zunächst die Glashütten, die aber durch den großen Bedarf an Holzkohle den Waldbestand zu stark verbrauchten, so daß diese bald wieder eingingen.   Die Landsherren siedelten die Hammerwerks-lndustrie an und es entstanden zahlreiche Eisenhämmer an jedem geeigneten Wasserlauf. (Weitere Eisenhämmer gab es damals noch in Wintersbach, Lichtenau, Waldaschaff und Laufach).

Der Gründungstag des Haslocher Hammers ist der 24. März 1779.   An diesem Tag stellten die damals gemeinsam regierenden 3 Grafen von Löwenstein-Wertheim den Brüdern Tobias und Johann-Heinrich Wenzel  aus Neulautern einen Erbbestandsbrief zur Errichtung eines Eisenhammers aus.

Das Hammergebäude wurde etwa 3 km nördlich des Dorfes Hasloch am Haselbach errichtet.  Einige hundert Meter talaufwärts wurde ein künstlicher Wassergraben angelegt, in dem das Wasser gespeichert und den Hammertriebwerken zugeleitet wird.  Am Ende dieses sogenannten Wasserbaus liegen die »oberschlächtigen Wasserräder«, die Eisenhämmer  antrieben.  Früher wurden hier 4 Eisenhämmer betrieben, wovon heute noch zwei erhalten sind: ein Aufwerferhammer und ein sogenannter Schwanzhammer.

Wenn der Schmied mittels einer Eisenstange die "Falle" zieht, öffnet sich im Wasserbau ein Schieber, durch den das Wasser in die Schaufeln des Wasserrads stürzt; dann dreht sich das Wasserrad, das auf dem sogenannten Wellbaum (einem Eichenstamm von ca. 9 m Länge und 80-90 cm Durchmesser) aufgekeilt ist.  Am anderen Ende des Wellbaums, im Innern des Hammergebäudes, befindet sich ein starker gußeiserner Ring mit fünf angegossenen Nocken, auf denen Holzklötze (die sogenannten "Frösche") befestigt sind.  Wenn sich nun das Wasserrad dreht, heben die Nocken beim Aufwerferhammer den parallel zum Wellbaum in einem Gerüst befestigten Hammerstiel in die Höhe, der durch sein eigenes Gewicht (170 kg Bärgewicht - der Hammerkopf wird Bär genannt-) wieder herunterfällt und dadurch das auf dem Amboß liegende glühende Eisen verformt.  Bei jeder Nocke wiederholt sich dieser Vorgang, wobei der Schmied die Geschwindigkeit der aufeinanderfolgenden Hammerschläge durch Dosierung der Wassermenge regulieren kann.  Über dem Hammerstiel befindet sich der sogenannte Preller, der ein zu weites Aufwerfen des Hammers verhindert und gleichzeitig durch seine Federkraft den Schlag verstärkt.  Wenn der Schmied den Wasserschieber schließt, dreht sich das Wasserrad nicht mehr und der Hammer bleibt stehen.

Aufwerferhammer Unter diesem Aufwerferhammer wurden früher die sogenannten Luppen ausgeschmiedet.  Dies waren Eisenklumpen von etwa 150 Pfund, die aus Alteisen im Puddelofen mit Holzkohle erschmolzen worden waren.  Aus dem ausgeschmiedeten Luppeneisen wurden landwirtschaftliche Bedarfsartikel hergestellt: Wagenreifen, Wagenachsen, Radschuhe, Pflugschare, Hebeisen und andere Schmiedestücke.
Der Aufwerferhammer ist schon seit 200 Jahren in Betrieb

Schwanzhammer Der kleinere Hammer wird Schwanzhammer genannt und zwar deshalb, weil hier die Nocken auf den Schwanz des Hammerstiels drücken und dadurch das Heben des Hammers bewirken.  Auch bei diesem kleineren Hammer ist auf dem Wellbaum ein gußeiserner Kammring befestigt mit 15 eingekeilten Nocken, die eine viel schnellere Schlagfolge des Hammers bewirken.  Der Hammerkopf ist leichter als beim großen Aufwerferhammer (Bärgewicht 135 kg).  Unter diesem Hammer wurden speziell Pflugschare ausgeschmiedet und zwar jährlich 40.000 bis 50.000 Stück.  Hier sitzt der Schmied auf einem hängenden, beweglichen Schemel, wodurch ihm seine Arbeit wesentlich erleichtert wird.

Die Eisenstücke werden in den gegenüberliegenden Schmiedöfen bis zur Weißglut erhitzt.  Die erforderliche große Hitze wird durch ein Gebläse erreicht; welches ebenfalls durch Wasserkraft betrieben wird und dessen Einrichtung auch schon weit über 100 Jahre alt ist.

Zwei weitere Hämmer sind früher noch an einem gemeinsamen Wellbaum gelaufen; hier wurden Hacken und Hauen geschmiedet, die in der benachbarten Barthels-Mühle geschliffen wurden.

In der ersten Zeit wurde das vorerwähnte selbst geschmolzene Puddeleisen verarbeitet.  Als dann die Hochöfen aufkamen, wurde Stab- und Knüppeleisen bezogen.

Über dem Hammerwerk waren die Wohnungen für die Hammerschmiede.   In der Blütezeit des Hammergewerbes waren hier 16 Hammerschmiede in Schichtarbeit beschäftigt.  Unter ihrem Lederschurz trugen sie früher nur ein leichtes Hemd, an den Füßen Holzschuhe und auf dem Kopf einen großen Schlapphut.

Die Eisenhämmer im Odenwald und Spessart verstummten einer nach dem anderen im 19. Jahrhundert.  Sie wurden durch die Hochöfen des Ruhrgebiets verdrängt und mußten moderneren Fertigungsmethoden der fortschreitenden Technik weichen.

Der Haslocher Eisenhammer wird aus Traditionsgründen von der Firma Ph. Kurtz weiter betrieben.  Es ist jedoch nur noch ein Hammerschmied tätig.  Hergestellt werden Glockenklöppel für Kirchenglocken, die an Glockengießereien im In- und Ausland geliefert werden.

Schon vor mehr als 100 Jahren haben die Vorfahren Kurtz in kluger Voraussicht dem Hammerwerk eine Eisengießerei und Maschinenfabrik angegliedert und dem Bestand des Werkes damit eine sichere Grundlage gegeben.

Die Familie Kurtz hat das Eisenwerk sechs Generationen lang betrieben.  Aus wirtschaftlichen Gründen trug man sich mit dem Gedanken, den Hammer zu schließen oder die Produktpalette durch Fertigung von Kunstschmiedegegenstände und Restaurierungsarbeiten zu erweitern.

Dem langjährigen Hammerschmied Armin Hock wurde die pachtweise Übernahme angeboten.  Ab 1.Mai 1991 bis Juli 2014 hat er das historische Hammerwerk in eigener Regie betrieben.

Wollen Sie miterleben wie Glockenklöppel geschmiedet werden?
Dann lohnt sich ein Besuch !

HAMMERMUSEUM
GEÖFFNET SEIT DEM 1. JULI 2014
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Siehe Youtoube-Video: Der Eisenhammer von Hasloch - ein lebendiges Industriedenkmal

Herzlich willkommen im schönen Haslochtal

handr.gif      Historischer Eisenhammer (Hammerschmiede) aus dem Jahre 1779